Über 300 Jahre gesicherte Versorgung in Oranienburg

Die kommunale Versorgung in Oranienburg war in den letzten beiden Jahrhunderten von den wesentlichen welthistorischen Einschnitten geprägt: der industriellen Revolution im späten 19. Jahrhundert, dem Ende des 2. Weltkrieges und dem gesellschaftlichen Umsturz in der DDR.

Nachfolgend finden Sie eine ausführliche Auflistung der Ereignisse, welche die Stadtwerke, so wie sie heute sind, geprägt haben.

JahrEreignis
1702-1713Erste Anlagen für eine Wasserversorgung entstehen.
Architekt und Hofbaumeister Johann Friedrich von Eosander errichtet auf dem Schlossgelände, nahe der Havel, einen 25 Meter hohen Wasserturm. Er dient jedoch keineswegs kommunalen Zwecken, sondern lässt lediglich die "Wasserkünste" im Schloss und im Schlosspark sprudeln. 1822 wird der Turm abgerissen.
1835Im Oranienburger Stadtgebiet stehen die ersten Gaslaternen.
17 Gaslichtspender stehen vornehmlich vor den Häusern gutsituierter Bürger. Sie müssen für diesen Luxus halbjährlich 2 Thaler pro Laterne an die Stadtkasse entrichten.
1866-1868Öffentliche Straßen und Plätze Oranienburgs werden durch Gaslaternen beleuchtet.
Am 18. Februar 1866 schließt der Oranienburger Magistrat, unter anderem vertreten durch Bürgermeister Wilhelm Kahlbaum, mit der Gasanstalt zu Potsdam, vertreten durch Gasdirektor Carl Blume, einen Gaslieferungsvertrag, nach welchem sich die Gasanstalt verpflichtet, öffentliche Straßen sowie privat und gewerblich genutzte Gebäude mit Gaslicht zu versorgen.
Am 10. Juni 1868 gibt das Oranienburger Wochenblatt bekannt, dass im Bereich des Lehnitzfeldes eine Gasanstalt entstehen soll, die vom Potsdamer Gasanstaltsdirektor Blume betrieben wird. Damit soll in folgenden Straßen die Versorgung mit Gaslicht sichergestellt werden: Berliner Straße bis Berliner Tor - Bernauer Straße - Lehnitzstraße -Mühlenstraße - Cremmener Vorstadt.
1895Ein Vertrag zur Einführung des elektrischen Lichtes wird abgeschlossen.
Der Magistrat der Stadt Oranienburg unterzeichnet mit der Firma Gustav Ebell & Co. einen Stromversorgungskontrakt. Noch im Frühling des gleichen Jahres wurde mit der Errichtung des Elektrizitäts- und Wasserwerkes an der Heidelberger Straße begonnen. Die Bauarbeiten sind bereits nach einem Jahr abgeschlossen!
1896Zum ersten Mal in der Geschichte Oranienburgs brennt elektrisches Licht.
Am 1. August, pünktlich um 12.00 Uhr mittags, öffnet der neue Werksdirektor Karl Weinberg im Beisein der lokalen Prominenz das Dampfventil, um die ersten Turbinen in Betrieb zu nehmen. Anschließend wird ein Schalter umgelegt, der die vorhandenen Elektroleitungen unter Spannung setzt.
1898Die Elektrifizierung der Gebäude und Wohnhäuser im Stadtgebiet ist abgeschlossen.
Oranienburg hatte zu dieser Zeit etwa 7.000 Einwohner.
1906Die bestehende Energieerzeugungsanlage muss erweitert werden.
Im Zuge des Abschlusses eines Vertrages über Stromlieferungen in erheblichem Umfang für die Eisenbahnverwaltung Berlin, die im Norden der Stadt eine Schnellbahn-Versuchsstrecke errichtet, wird innerhalb von nur drei Monaten für 350.000 Mark die bestehende Stromversorgungsanlage ausgebaut.
1908Auch die Anlagen für die Trinkwassererzeugung erhalten Erweiterungsbauten.
Dies wird erforderlich, weil die Wasserabnahme infolge der rasanten Industrialisierung Oranienburgs bis dahin ungeahnte Dimensionen annimmt. Das private Versorgungsunternehmen Gas- und Wasserwerke Birkenwerder R. & A. Hengstenberg errichtet das Gaswerk Sachsenhausen. Die Anstalt liefert Gas in die Gemeinden Friedrichsthal, Fichtengrund und Sachsenhausen.
1910Das Märkische Elektrizitätswerk AG erwirbt das Oranienburger Elektrizitäts- und Wasserwerk.
Der Jahresverbrauch in Oranienburg beläuft sich auf 800.000 Kilowattstunden. Das elektrische Leitungsnetz erstreckt sich auf eine Länge von 231 Kilometer, das Wasserleitungsnetz auf 30 Kilometer.
1911Die Stadtgemeinde Oranienburg kauft das Gaswerk.
Am 21. August veräußern die Gas- und Wasserwerke Birkenwerder die Gasanstalt für 250.000 Mark, und die Stadt Oranienburg erhält eine Gaskonzession auf 30 Jahre.
1912-1936Die Gasversorgung im westlichen Niederbarnim wird nach und nach zentralisiert.
Das Gaswerk Sachsenhausen wird an die G.m.b.H. Gasversorgung Niederbarnim West verkauft. Das Unternehmen beliefert in der Folgezeit auch die Gemeinden im südlichen Umland der Stadt. 1925 wird die Leistung der Gasanstalt gedrosselt, weil die Gesellschaft einen Konzessions- und Liefervertrag mit den Berliner Städtischen Gaswerken abschließt. 1936 wird das Gaswerk Sachsenhausen liquidiert und aus dem Handelsregister gelöscht.
1916-1928Die Elektroversorgung geht in die öffentliche Hand über.
Die Provinzialverwaltung Brandenburg erwirbt zunächst die Aktienmehrheit am Märkischen Elektrizitätswerk AG. 1920 befindet sich das MEW AG vollständig in öffentlichem Besitz. Kreise und Städte können Beteiligungen in Form von Aktien erwerben. Das Oranienburger Elektrizitätswerk muss seine Stromabgabe immer weiter reduzieren, weil immer mehr Strom aus dem neuen Großkraftwerk Finkenherd abgenommen wird. 1928 wird die Oranienburger Stromproduktion eingestellt.
1944/1945Das öffentliche Versorgungssystem wird zerstört.
Oranienburg als einer der größten Rüstungsstandorte (Heinkel-Werke, Auer-Werke) vor und während der Zeit des 2. Weltkriegs wird immer häufiger Ziel amerikanischer Fliegerbomben. Von 3872 Gebäuden und Anlagen im Stadtgebiet werden bis zum Kriegsende 1079 leicht, 324 schwer und 609 total zerstört. Ein völliger Neuanfang steht ab Mai 1945 bevor. Unter erheblichen Anstengungen wird bis zum 18. August 1945 die Stromversorgung in Oranienburg wieder hergestellt.
1945-1989Die Energieversorgung und Wasserwirtschaft der DDR ist verstaatlicht.
Die Versorgung mit Elektroenergie und Gas übernimmt in den letzten Jahren der DDR das Energiekombinat Potsdam. Die Wasserversorgung und -entsorgung ist Aufgabe des VEB WAB, der Wasser- und Abwasseraufbereitenden Betriebe.
1969/1970Mit der Planung und Errichtung eines Heizwerkes wird begonnen.
Oranienburger Neubausiedlungen sollen aus bis zu sechs Heizkesseln über ein Rohrleitungsnetz mit Fernwärme versorgt werden. Das Heizwerk Oranienburg wird als Abteilung Heizwerk beim Rat der Stadt Oranienburg gegründet. Damit ist der erste Grundstein für die heutigen Stadtwerke in Oranienburg gelegt.
1972Am 1. August werden die ersten Wohnungen in Oranienburg mit Fernwärme beheizt.
1976Der VEB Wärmeversorgung entsteht.
Die Abteilungen Heizwerk beim Rat der Stadt Hennigsdorf und dem Rat der Stadt Oranienburg werden am 1. Januar zum VEB Wärmeversorgung zwangsvereinigt. Wirtschaftsleitendes Organ für den neuen volkseigenen Betrieb, mit der Register-Nr. 110/04/1031, war der Rat des Kreises Oranienburg.
1990Die Fernwärme GmbH Oranienburg wird gegründet.
Dem politischen Umbruch in der DDR folgt am 1. Juni auch die Umwandlung und Aufteilung des VEB Wärmeversorgung in die Fernwärme GmbH Oranienburg und Stadtwärme Hennigsdorf GmbH als Treuhandbetriebe. Die Umwandlung erfolgt auf der Grundlage der „Verordnung zur Umwandlung von volkseigenen Kombinaten, Betrieben und Einrichtungen in Kapitalgesellschaften vom 01.03.1990".
1991Die Stadtwerke Oranienburg GmbH wird gegründet.
Am 27. Juni wird das Fernwärmeunternehmen in Stadtwerke Oranienburg GmbH umbenannt. Der Gegenstand des Unternehmens erweitert sich durch die Übernahme weiterer kommunalwirtschaftlicher Aufgaben. Die Stadt Oranienburg ist zu 100 Prozent Gesellschafter der neuen Stadtwerke.
1992Die Erdgasversorgung Oranienburg GmbH wird gegründet.
Die Eigenständigkeit der Gasversorgung Oranienburgs wird durch den Abschluss eines Konsortialvertrages zwischen der Stadtwerke Oranienburg GmbH, der Gemeinde Lehnitz, den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen, der Westfälischen Ferngas AG und der Gaz de France Deutschland GmbH gesichert. In diesem Vertrag wird die Gründung der Erdgasversorgung Oranienburg GmbH (EVO) vereinbart.
1993Die Stadtwerke ziehen um.
Im November ist das neue Verwaltungsgebäude in der Klagenfurter Straße bezugsfertig. Neben der Geschäftsführung finden hierauch die Betriebsleiter Wasser/Abwasser, Strom und Erdgas, die Verbrauchsabrechnung, das Hausanschluss- und Zählerwesen sowie die Personalabteilung ihren Platz.
1994Die Stadtwerke übernehmen die Oranienburger Wasserversorgung und Abwasserentsorgung.
Zuvor war die Potsdamer Wasserversorgung und Abwasserbehandlung GmbH mit dieser Aufgabe betraut. Die Abwasserentsorgung wird dem eigens dafür im Jahr zuvor gegründeten Entwässerungsbetrieb Oranienburg, ein Eigenbetrieb der Stadt, übertragen. Die Betriebsführung erfolgt, wie auch die gesamte Wasserversorgung, durch die Stadtwerke Oranienburg GmbH.
1995Die EVO übernimmt die Erdgasversorgung in Oranienburg.
Der Anteil der Kommunen Oranienburg und Lehnitz an dieser Gesellschaft beträgt 51 Prozent und der Anteil der zwei Gesellschafter, der Westfälischen Ferngas AG (ab 1998 ersetzt durch die Westfälische Gasversorgung AG & Co. KG) und der Gaz de France Deutschland GmbH, 49 Prozent.
1996Die Stadtwerke Oranienburg GmbH übernimmt die Stromversorgung in Oranienburg.
Nach langen Verhandlungen mit der Märkischen Energieversorgung AG (MEVAG) wird die Stromversorgung Oranienburgs an die Stadtwerke übertragen und die Übernahme der Versorgung zum 1. Januar sichergestellt. Oranienburg ist nun eine der wenigen Städte im Versorgungsgebiet der MEVAG, die ihre Stromversorgung eigenständig betreibt.
1998Die Stadtwerke Oranienburg GmbH produziert im Pilotversuch sauberste Energien.
Am 27. Januar geht das vom Land Brandenburg unterstützte Brennstoffzellen-BHKW in Betrieb. Damit ist es möglich, Energie ohne schädliche Nebenprodukte zu erzeugen. Einzig hochreines Wasser steht am Ende des Reaktionsprozesses. Entstehender Strom und Wärme wird in die lokalen Netze eingespeist.
1998Die Stadtservice Oranienburg GmbH wird gegründet.
Am 9. April erhalten die Oranienburger Stadtwerke ein weiteres Tochterunternehmen. Die neue Stadtservice Oranienburg GmbH wird für die Oranienburger und ihre Gäste qualitativ neue, vorwiegend sportlich-kulturelle Dienstleistungen anbieten. Ein erster Schritt besteht in der Planung und dem Betrieb des neuen Freizeitbades mit seinen Sportanlagen.
1998Oranienburg wird von einem hochmodernen Wasserwerk mit Trinkwasser versorgt.
Nach nur 28-monatiger Bau- und Planungszeit geht am 15. Mai das neue Wasserwerk Sachsenhausen in der Schmachtenhagener Straße in Betrieb. In der Anlage wird für das Versorgungsgebiet Oranienburg Grundwasser aus dem nördlich gelegenen Gewinnungsgebiet aufbereitet. Die Stadtwerke Oranienburg GmbH gewährleistet somit jedem Haushalt sowie den Industrie- und Gewerbebetrieben in ihrem Versorgungsgebiet jederzeit eine mengen- und qualitätsgerechte Wasserversorgung.
1998Die enuTEC GmbH wird gegründet.
Die Stadtwerke-Tochtergesellschaft Stadtservice Oranienburg GmbH gründet gemeinsam mit der Artec GmbH Leegebruch sowie dem Diplom-Ingenieur Ralf Sepke ein Unternehmen, das Dienstleistungen in den Bereichen Energiemanagement, Energiewirtschaft und Umweltmanagement anbietet.
1998Die Oranienburger Stadtwerke präsentieren sich im Internet.
Das Versorgungsunternehmen stellt sich den Anforderungen an die Informationsgesellschaft. Neben allgemeinen Informationen über die Stadtwerke bietet die Präsenz dem Besucher aus dem Cyberspace seit Dezember unter "www.sw-or.de" auch diverse Dienstleistungen der Stadtwerke-Betriebe an. Das Angebot wird regelmäßig erweitert.
1999Die innerstädtische Kläranlage wird stillgelegt.
Im August wird die Kläranlage in der Lehnitzstraße stillgelegt. Das Oranienburger Abwasser wird nun zum neuen Klärwerk Wansdorf, einem Gemeinschaftsvorhaben verschiedener Kommunen und der Berliner Wasserbetriebe, übergeleitet.
2000Die local energy gmbh wird gegründet.
Am 1. Januar gründen die Stadtwerke Oranienburg gemeinsam mit 17 weiteren Stadtwerken der Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und der e.dis AG die local energy gmbh. Das Unternehmen vermarktet alternative Stromangebote.
2001Die Stadtwerke erhalten ein neues Kundencenter.
Pünktlich zum 10. Jubiläum der Stadtwerke wird im Juni das neue Kundencenter in der Klagenfurter Straße eingeweiht. Der Kundenempfang und mehrere Kundenberaterplätze haben unter anderem in dem modernen Bau Platz gefunden.
2002Die T.U.R.M. ErlebnisCity Oranienburg öffnet ihre Tore.
Das Freizeitzentrum an der André-Pican-Straße - größtes Projekt der Stadtwerke-Tochter Stadtservice Oranienburg GmbH - wird Mitte Februar feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Der Traum von einem Schwimmbad für die Oranienburger und ihre Gäste wird endlich wahr.
2005Die Stadtwerke bieten Erdgas als Kraftstoff an.
Die Stadtwerketochter Erdgasversorgung Oranienburg GmbH eröffnet am 4. Februar an der Total-Tankstelle in der Saarlandstrasse die erste Erdgastankstelle im Landkreis Oberhavel.
2006Verkauf von Stadtwerkeanteilen
Der Alleingesellschafter der Stadtwerke Oranienburg GmbH, die Stadt Oranienburg, verkauft 49,9 % der Anteile an den H/H Stadtwerkefonds KGaA, der auf einem Konzept der HSH Nordbank und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) basiert.
2007Kapitalerhöhung
Durch eine Kapitalerhöhung des H/H Stadtwerkefonds KGaA steigt deren Beteiligung an den Stadtwerken Oranienburg GmbH auf 64,9 %. Die Stadtwerketochter Stadtservice Oranienburg GmbH wird mit den Einnahmen aus dem Anteilsverkauf der Stadtwerke Oranienburg GmbH entschuldet und an die Stadt Oranienburg verkauft.
2010Übernahme der Mehrheitsanteile der Stadtwerke durch die Gelsenwasser AG
Im November erwirbt der nordrhein-westfälische Dienstleister für Wasser, Abwasser und Energie einen Anteil von 64,9 % an der SWO.
201120-jähriges Jubiläum der SWO
Die Stadtwerke feiern am 19. und 20. August das 2. Stadtwerke-Sommerfest auf dem Schlossparkgelände in Oranienburg.
2011Verabschiedung des kaufmännischen Geschäftsführers
Wolfgang Schneider, langjähriger kaufmännischer Geschäftsführer der SWO, geht am 30. Juni in den Ruhestand.
2012Stadt Oranienburg kauft Stadtwerke zurück
Die Gelsenwasser AG verkauft den von ihrer mittelbaren Tochtergesellschaft Osmo GmbH gehaltenen 64,9 %-Anteil an der SWO zum 30.01.2012 an die Stadt Oranienburg, die somit zum alleinigen Gesellschafter wird.
2012Generationenwechsel bei der SWO
Nach 22 Jahren als technischer Geschäftsführer wird Detlef Giese am 3. Mai in den Ruhestand verabschiedet. Seine Nachfolge tritt Alireza Assadi an. Gleichzeitig wird Steffen Carls zum Geschäftsführer der Erdgasversorgung berufen.
2014Verschmelzung Erdgasversorgung und Stadtwerke Oranienburg
2013 übernehmen die Stadtwerke alle Geschäftsteile der Erdgasversorgung Oranienburg, mit dem Ziel, beide Unternehmen zu verschmelzen. Am 27.06.2014 erfolgt die Verschmelzung mit Wirkung zum 01.01.2014. Nach 22 Jahren werden schließlich alle Versorgungssparten in einem städtischen Unternehmen vereint.
201625-jähriges Jubiläum der Stadtwerke
Die Stadtwerke Oranienburg begehen ihr 25-jähriges Jubiläum seit der Gründung am 27. Juni 1991.